Tipps und Tricks: So gründest du ein Unternehmen

Wolfgang Deutschmann und Peter Garber lernten sich bereits in der Schulzeit kennen. Die beiden Mittzwanziger haben gemeinsam die HTL absolviert. Und während ihre Kollegen nur den Schulabschluss vor Augen hatten, blickten die zwei bereits nach vorne. Ihr Plan: ein eigenes Unternehmen zu gründen. Gesagt, getan. Nachdem sie das Maturazeugnis in Händen hielten, setzten sie ihr Vorhaben um und wurden Unternehmer. „Wir wollten unsere Zukunft selbst gestalten und unsere eigenen Ideen umsetzen. Das Risiko war uns bekannt, aber wir wollten es zumindest versuchen“, sagt Deutschmann.

Mittzwanziger – und Unternehmer: Wolfgang Deutschmann und Peter Garber sind die Gründer der Crowdfunding-Plattform Green Rocket.

Ein mutiger Plan, der voll aufging. Im September 2013 gründeten die beiden Jungunternehmer Green Rocket – die europaweit erste Crowdfunding-Plattform für Start-ups im Bereich Energie, Umwelt und Mobilität. Die Plattform sammelt Geschäftsideen, zeigt diese her und bietet die Möglichkeit, sich an einem Projekt eines Start-ups zu beteiligen. Wenig später riefen die zwei Entrepreneure zwei weitere Crowdfunding-Verteiler ins Leben. Über diese Plattformen wurden im Vorjahr 15 Unternehmen mit sechs Millionen Euro ausgestattet.

Wer den beiden Jungs von Green Rocket folgen will – das gute Vorweg: Um sich selbständig zu machen, braucht man weder jahrelange Erfahrung, betriebswirtschaftliches Know-How noch reiche Eltern. Was es braucht, ist, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Hinterfrage, was Dich umgibt. Und überlege man, wie das eine oder andere besser gemacht werden könnte. Ein Beispiel: Bianca Gfrei, die Gründerin des Start-ups Kiweno, erfuhr am eigenen Leib, wie langwierig Allergietests sein können und hat einen Allergietest kreiert, der von zu Hause aus erledigt werden kann. Paysafecard wiederum ermittelte einen Bedarf für eine Bezahlungsalternative im Internet und erschuf eine Online-Prepaid-Karte. Hier wurde nichts neues erfunden, sondern nur neu erdacht.

Unternehmerin Bianca Gfrei, ihr Partner Robert Fuschelberger: Die Gründerin des Start-ups Kiweno erfuhr am eigenen Leib, wie langwierig Allergietests sein können.

Mit der zündenden Idee geht es an den Start. „Wichtig ist, dass sich Start-ups gleich zu Beginn gründlich informieren. Es gibt keine zentrale Start-up-Stelle in Österreich, aber es stehen viele Institutionen zur Verfügung, die viel Geld locker machen “, sagt INiTS-Sprecher Erwin Hermetsberger, dessen Institut darauf spezialisiert ist, Start-ups im universitären Bereich zu fördern: Zielgruppen sind dabei Studierende, Akademiker oder Spin-Offs an Unis.

„Es gibt keine zentrale Start-up-Stelle in Österreich, aber es stehen viele Institutionen zur Verfügung, die viel Geld locker machen“

Erwin Hermetsberger

Die Quellen des Fördersystems bringt man mit einem Businessplan zum Sprudeln. Der ist dazu da, um allen zu beschrieben, warum man meint, dass dieses Start-up notwendig ist und gebraucht wird. Dazu gibt es gleich zwei Ratschläge: Der Businessplan sollte nicht als sakrosankt angesehen werden. Die Bereitschaft diesen durch Vorschläge anderer zu verändern, ist ein Zeichen von Flexibilität und Stärke. Sturheit ist hier fehl am Platz. Und: Achtung vor allzu freundlicher Kritik von Freunden und Verwandten. Den knallharten Befund sollte man sich von Profis holen. Eine erste Einschätzung, wie gut die Start-up-Idee ist, lässt sich leicht durchführen. Und zwar über die Homepage foerderpilot.at (von aws und FFG). In den meisten Fällen folgt eine Antwort innerhalb von 24 Stunden.Letztlich ist der Businessplan auch für die Suche nach Investoren wichtig. Beim Erstellen eines Businessplans helfen im Übrigen auch Banken. Unter anderem stellt etwa die Erste Bank den i2B-Businessplan-Assistenten zur Verfügung. Hier wird man online angeleitet, um einen perfekten Businessplan zu erstellen.

Zumeist werden Start-ups mit Freunden oder guten Bekannten gegründet. Das ist auch gut so: Damit können unterschiedliche Fähigkeiten in ein noch junges Team eingebracht werden. Doch die Freundschaft kann zerbröseln, wenn man sich nicht gleich zu Beginn auf einen gemeinsamen Fahrplan festlegt: Jedenfalls sollte man (schriftlich) klären, was passiert wenn das Unternehmen sehr erfolgreich ist und ein Wachstum nur mit finanzkräftigen Partnern möglich ist? Wie viele Anteile sollen verkauft werden? Wer ist wofür zuständig? Wer ist für das Personal zuständig? Was passiert bei einem Totalverkauf (Exit genannt)? Überlegen sollte man sich auch, was passiert, wenn man einen Freund für den Vertrieb oder das Marketing vorgesehen hat, der diese Position nicht mehr erfüllen kann. Das alles sollte man gleich von Anfang an klären.

Bevor das Business ins Rollen kommt, sollte die Entscheidung für die richtige Rechtsform fallen. Die überwiegende Zahl entscheidet sich für ein Einzelunternehmen, das sehr einfach und günstig zu gründen ist. Etwa 12 Prozent der Gründer wählen eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Und die hat einen großen Vorteil: Die Gesellschaftsanteile sind schnell übertragbar (bei einem Exit) und das unternehmerische Risiko ist auf das Stammkapital beschränkt.

Wer über die Grenzen Österreichs hinaus möchte und im IT-Bereich tätig ist, kann über die Wirtschaftskammer im Rahmen des Programms „Go Silicon Valley“ auch drei Monate ins kalifornische Gründer-Paradies reisen. Knapp 100 österreichischen Start-ups haben diesen Service bereits genutzt.

Ein Hauch von Silicon Valley weht aber bereits in Kürze in Wien. Beim Pioneers-Festival, der wichtigsten Start-up-Veranstaltung, am 1. und 2. Juni dieses Jahres trifft sich die Crème-de-la-Crème der Start-up-Szene in der Wiener Hofburg. Und der letzte Tipp: Wer sich die Selbstständigkeit noch nicht zutraut, der kann einmal bei einem Start-up anheuern. Die suchen ständig nach Personal und das Internet ist voll mit Jobs in Start-ups. Dabei sieht man gleich, wie es in einem Start-up zugeht und welche Informationen dort zu holen sind. In der Zeit verdient man schon etwas Geld und kann gleichzeitig an der eigenen Selbstständigkeit basteln, um dann selbst abzuspringen – Start-me-up!

 

Das Start-up-Lexikon

Diese (meist englischen) Fachbegriffe umgeben dich, wenn du durchstarten willst.

A wie Accelerator

Ein Accelerator ist für ein Start-up der Turbo in der Entwicklung. Sie sind den Inkubatoren sehr ähnlich. Allerdings beschränken sich Acceleratoren zumeist auf befristete Engagements (etwa „Boot Camps“).

B wie Business Angels

Darunter versteht man vermögende Privatinvestoren, die sich bereits in einer sehr frühen Phase an einem Start-up beteiligen. Business Angels können nicht nur Geld einbringen, sondern auch viel Wissen.

B wie Businessplan

Das ist ein schriftliches Unternehmenskonzept. Darin sind die Geschäftsidee, das Geschäftsmodell sowie alle Maßnahmen zur Umsetzung des Gründungsvorhabens enthalten.

C wie Crowdfunding

Damit werden Projekte von Start-ups durch viele kleinere Investoren (die Crowd) finanziert.

E wie Exit

Wenn das Start-up eine gewisse Größe und einen gewissen Wert erreicht hat, steigt der Gründer aus und übergibt seine Unternehmensanteile. Des Öfteren bleiben die Gründer aber weiterhin in der Geschäftsleitung.

G wie Geschäftsmodell

Dieser gibt Auskunft darüber, wie ein Unternehmen funktionieren soll. Die wichtigsten Komponenten:

  1. Nutzenversprechen („Value Proposition“): Das ist der Wert, der für Kunden geschaffen wird
  2. Wertschöpfung – wie also die Leistung erstellt wird
  3. Ertragsmodell – wie und welche Erlöse kann ein Unternehmen lukrieren

I wie Inkubator

Inkubator stellen in der Gründungsphase, oder schon davor, die Infrastruktur (etwa Büro) zur Verfügung und bieten Beratung, Coaching sowie Managementtraining an. Sie vermitteln auch bei der Kapitalsuche und beim Netzwerkaufbau.

P wie Pitch

Ein Pitch ist eine Präsentation einer Geschäftsidee vor Geldgebern, Investoren oder Freunden, die knapp und knackig sein sollte.

U wie Unicorn

Als „Einhörner“ bezeichnet man Start-ups die eine Milliarde Dollar Wert sind. Davon gibt es mittlerweile mehr als 160.

V wie Venture Capital:

Damit ist das Kapital gemeint, dass von einer Beteiligungsgesellschaft (Venture-Capital-Gesellschaft) zur Beteiligung an Start-ups fließt. Diese Gesellschaft haben ein abschließendes Ziel: Das Start-up bestmöglich zu verkaufen.

 

Startups: Hier kommst du zu Kapital

  • aws – Austria Wirtschaftsservice GmbH

Internet: aws.at

Telefon: 01/501 75-100 (Förderberatung)

  • FFG – Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft

Internet: ffg.at/start-up

Telefon: 057755-7755 (Start-up-Hotline)

  • Wirtschaftsagentur Wien

Internet: wirtschaftsagentur.at

Telefon: 01/4000-8670

  • Gründerservice (Wirtschaftskammer)

Internet: gruenderservice.at

Telefon: 01/514 50 0 (für Wien)

 

Die richtige Rechtsform

Viele Jungunternehmer gründen ein Einzelunternehmen oder eine Offene Gesellschaft (OG). Das ist günstig bei der Errichtung, aber riskant im Konkursfall. Denn die Gesellschafter haften mit dem vollen Vermögen. Bei Kapitalgesellschaften, wie es etwa die GmbH ist, haftet das Unternehmen nur mit dem Stammkapital. Dieses wird bei Gründung einbezahlt. Normalerweise macht das 35.000 Euro aus. Doch Jungunternehmen genießen hier das sogenannte Gründungsprivileg. Sie müssen nur 10.000 Euro aufbringen, wobei nur 5.000 Euro in Bar erfolgen müssen. Der Rest kann später fließen. Die Privilegierung dauert zehn Jahre und muss bereits bei Gründung im Gesellschaftervertrag verankert sein. Eine nachträgliche Privilegierung ist nicht möglich. GmbHs bedürfen bei Gründung eines Notariatsaktes. In manchen Fällen hängt eine Förderung auch von der Rechtsform ab: Investoren können etwa nur dann eine Risikokapitalprämie anfordern, wenn sie sich an einer GmbH beteiligen wollen.

 

 

SKILLCHECK: Die Do’s and Dont’s im Startup-Business

Yay!

  • Enthusiasmus: Ein Start-up verlangt einem vieles ab. Daher muss man voller Überzeugung für die Sache sein. Denke nicht an die künftigen Gewinne, sondern an die Leidenschaft zur Sache.
  • Mitarbeiter: Das Personal muss sorgfältig ausgesucht werden und ebenfalls von der Idee elektrisiert sein. Überprüfen Sie auch deren Bereitschaft, flexibel und länger zu arbeiten als der Durchschnitt. Lass diese einen Tag oder ein paar Stunden zur Probe arbeiten.
  • Verkaufen, Verkaufen, Verkaufen: Achten Sie gleich zu Beginn auf ein funktionierendes Umsatzsystem. Verkäufe sind zwar keine Gewinne, aber sie halten das Unternehmen liquide.
  • Werbung: Nehmen Sie Kontakt mit Zeitschriften auf und erzählen Sie von Ihrer Idee und Ihrem Unternehmen. Solche Geschichten sind eine gute und günstige Werbung.
  • Mentor: Suche Dir einen Mentor, der Ihnen beratend helfen kann. Das kann ein pensionierter Ex-Manager sein oder ein guter Bekannter.

Nay. 

  • Zeit: Machen das, was du am besten kannst. Und vergeude keine Minute damit, dir irgendetwas anzueignen. Heuere lieber einen Profi an, der die Sache schneller und effektiver erledigt.
  • Warten: Glaube nicht, dass deine Idee von alleine entdeckt wird. Proaktiv damit von Tür zu Tür gehen und Ihr Modell anpreisen heisst die Devise.
  • Ausgaben: Wenn die ersten Umsätze am Geschäftskonto eingehen, machen viele den Fehler, leichtsinnig das Geld auszugeben. Besorge nur das Nötigste, Kapitalreserven werden noch nötig sein.
  • Aufgeben: Schmeiß nicht vorzeitig das Handtuch. Wer hart am Ball bleibt, wird zumeist belohnt.
  • Gruppendynamik: Bilde ein Kernteam der Gründer, aber keine weiteren bevorzugten Teamplayer. Das schadet dem Gesamtgefüge und widerspricht dem Start-up-Gedanken.

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